Thomas Reiter wurde am 23. Mai 1958 in Frankfurt am Main geboren. Der ehemalige Astronaut und Oberst a.D. der Luftwaffe wuchs im Raum Frankfurt auf, wo seine Eltern schon früh seine Leidenschaft für das Fliegen weckten. Zusammen mit seiner Frau Consuela und den gemeinsamen Söhnen Daniel und Sebastian lebt Thomas Reiter Wahnbek nahe Oldenburg. Zu seinen Hobbies zählen u.a. Fechten, Badminton, Kochen, sowie Gitarrespielen.
Pilotenlaufbahn
Nach dem Abitur 1977 verpflichtete er sich bei der Luftwaffe und studierte bis 1982 an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg Luft- und Raumfahrttechnik.
Nachdem Reiter auf der Sheppard Air Force Base in Texas zum Jetpiloten ausgebildet wurde, versetzte man ihn zum Jagdbombergeschwader 43 in Oldenburg/ Niedersachsen. Hier flog er Einsätze im Kampfflugzeug "Alpha Jet", war an der Entwicklung eines elektronischen Flugplanungssystems beteiligt und wurde schließlich zum stellvertretenden Staffelchef befördert. Nachdem er 1990 Testpilot 2. Klasse wurde, absolvierte er einen Aufbaukurs, der es ihm erlaubte, den Jagdbomber "Panavia Tornado" zu fliegen. Im Anschluss besuchte Thomas Reiter die britische Testpilotenschule ETPS, wo er 1992 das Diplom Testpilot 1. Klasse erhielt.
Raumfahrertätigkeit
1989 begann die ESA, Bewerber für ihre zweite Astronautengruppe zu suchen. Unter den 22.000 Bewerbern befand sich auch Thomas Reiter, der schließlich 1992 einer von sechs neuen Mitgliedern des europäischen Astronautenkorps der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Als im Sommer 1992 am Europäischen Astronautenzentrum die Ausbildung begann, war Reiter noch an der ETPS. Erst als er Ende 1992 sein Diplom Testpilot 1. Klasse erhalten hatte, stieß er zum Rest der Gruppe.
Als achter Deutscher wurde Thomas Reiter am 3. September 1995 ins All zur russischen Raumstation »Mir« geschossen. Als erster Deutscher konnte er am 20. Oktober 1995 und am 8. Februar 1996 die »Mir« für "Weltraumspaziergänge" verlassen. Am 29. Februar 1996 landete Thomas Reiter nach 179 Tagen im All wieder auf der Erde.
Bereits ein halbes Jahr später nahm Reiter an einer Intensivausbildung für Sojus-Raumschiffe teil. Dadurch erwarb er die Befähigung und Berechtigung für einen Einsatz als Kommandeur an Bord einer Sojus-TM-Kapsel mit drei Besatzungsmitgliedern, eine Lizenz, die nur wenige Nichtrussen besitzen.
Am 4. Juli 2006 startete Reiter nach mehreren Verschiebungen und zwei Countdown-Abbrüchen zur ISS. Zusammen mit einem amerikanischen Kollegen verließ er vier Wochen nach seiner Ankunft für sechs Stunden die ISS und führte notwendige Reparaturen und Wartungsarbeiten durch. Er lebte und arbeitete insgesamt 166 Tage der Raumstation und kehrte am 22. Dezember 2006 zur Erde zurück. Mit diesem Flug ist er der europäische Raumfahrer mit der meisten Erfahrung im All.
Nach der Raumfahrertätigkeit
Seit 1. Oktober 2007 ist Thomas Reiter im Vorstand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), wo er für die Bereiche Raumfahrtforschung und - Entwicklung zuständig ist.
Er war Kommentator der kanadischen Fernsehreihe Aerospace - Das Luft- und Raumfahrtmagazin. Das Magazin lief im Rahmen der BR-Sendung Spacenight und wird vom Discovery Channel ausgestrahlt.
Außerdem ist Thomas Reiter seit 2008 Heinrich-Hertz-Gastprofessur an der Universität Karlsruhe, wo er in einigen Vorträgen von seinen Erfahrungen im All berichtet und auch ein Seminar zu diesem Thema leitet.
Auszeichnungen
2007 Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
2008 Bayerische Europa-Medaille
Dokumentationen mit der BBC
Earth - The Power of the Planet [Expedition Erde ]
Fotos von Thomas Reiter: ZDF/ Kerstin Luxenhofer