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Louis Theroux - Interview

 

Louis Theroux, der Gewinner des britischen Filmpreises BAFTA, im Interview.

Premier News: Sie haben Ihr offensichtliches Interesse, amerikanische Sub-Kulturen zu erforschen, fortgesetzt. Warum denken Sie, gibt es so viele bizarre und oft schockierende Leute  in Amerika?
Louis Theroux: Ich denke Amerika ist nicht merkwürdiger als andere Länder. Ich denke nur, dass Amerikaner ihrem Lebensstil gegenüber offener sind und weniger schüchtern, sich einem Journalisten gegenüber zu offenbaren. In Großbritannien tendieren wir dazu, kulturell reservierter zu sein und wir sind befangener hinsichtlich der Art und Weise wie wir leben. Selbstverständlich gibt es drüben mehr Menschen, sie haben mehr Platz und das Land ist generell reicher, so ist es für sie einfacher, dem Lebensstil zu folgen, den sie wollen.

PN: Ertappen Sie sich dabei wütend oder bestürzt zu sein, wenn Sie Menschen treffen wie in Die meistgehasste Familie der USA, die solch extreme und menschenverachtende Meinungen vertreten?
LT: Tatsächlich war ich in dieser Episode kurz davor meine Geduld zu verlieren. Es endete damit, dass ich lauter wurde und sie direkter herausforderte. Aber letztendlich stellte sich heraus, dass das aufschlussreichere Material aus den Momenten stammt, in denen ich es etwas ruhiger angehen ließ. Ich neige zu der Meinung, dass man mehr davon hat, Beziehungen zu seinen Interviewpartnern aufzubauen und sich ihnen weniger provokativ nähert.

PN: Einige von ihnen sahen aus, als ob sie gefährlich wären – haben sie sich je bedroht oder unsicher gefühlt?
LT: Nein, nicht in dieser Episode. Aber als ich für Louis und die Nazis gefilmt habe, waren wir auf einer Neo-Nazi Skinhead Party. Die BBC hatte uns zwei Sicherheitsleute zugeteilt, aber die entschlossen sich draußen zu warten als sie erfuhren, dass sie ihre Waffen nicht mit hineinbringen durften. Die Skinheads waren uns extrem feindselig gesinnt, so dass es für uns ein ziemlich unbehaglicher Aufenthaltsort war.

PN: In Die meistgehasste Familie der USA sehen wir Kinder, die bei  Soldaten-Beerdigungen mit Schildern mit der Aufschrift: „Dankt Gott für tote Soldaten“ Streikposten aufbauen und den 9.11. feiern. Denken Sie, dass diese offensichtliche Gehirnwäsche ihrer Eltern eine Form des Kindesmissbrauchs ist?
LT: Diese Kinder werden definitiv in ein Verhalten gedrängt, das nicht ihre eigene Wahl ist. Somit ist es vielleicht eine Form von Missbrauch. Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Familie ihre Kinder liebt, aber es ist nicht fair, dass die Kinder zu diesem Lebensstil verurteilt sind und mit schlimmen Konsequenzen rechnen müssen, wenn sie daran in irgendeiner Weise zweifeln. Ein Teil von einem selbst möchte eingreifen  und ihnen helfen, aber als Journalist ist das Beste was man tun kann, einfach die richtigen Fragen zu stellen und anständig Bericht zu erstatten.

PN: Ihr Trip nach Las Vegas sah nach Spaß aus. Haben Sie irgendwelche großen Gewinne erzielt?
LT: Ich hatte einige gute Sessions und dann hatte ich am letzten Abend auch noch einen großen Erfolg, der gut was eingebracht hat.

PN: Haben Sie es geschafft aufzuhören, während Sie noch im Plus waren?
LT: Vor der Kamera ja. Aber als die Kamera aus war, war das eine ganz andere Geschichte! Ich würde allerdings gerne glauben, dass Vegas und ich zu jetzt quitt sind, aber es kribbelt schon noch in den Fingern. .

PN: Sie haben eine Frau getroffen, die zur offensichtlichen Freude des Kasinos vier Millionen Dollar ihres Familienerbes  in Spielautomaten geworfen hat. Denken Sie, es sollte in Vegas mehr moralische Bedenken oder Restriktionen dahingehend geben?
LT: Zweifelsohne gibt es in Vegas moralische Bedenken und dieser Konflikt ist das, was die Sendung erforscht. Es ist, wie wir es in der Show sagen: Kasinos haben sich der Sache verschrieben, Dein Geld zu nehmen, während Du ein Lächeln im Gesicht behältst. Die Dame erzählte mir, dass sie die letzten sieben Jahre jeden Tag Geld in denselben Spielautomaten geworfen hat und jede Minute davon genossen hat. Vielleicht könnte man den Spielern eine Bescheinigung vom Kasino schicken, auf der steht wie viel sie jeden Monat ausgegeben haben.

PN: Haben Sie Vegas mit einem Gefühl der Ablehnung verlassen oder mit Bewunderung den Spielern gegenüber, die ein großes Risiko eingehen?
LT: Ich bewundere die Erfahrungen in Vegas und wie diese großen Kasinos es schaffen, dass die Spieler weiterspielen, wenn die Gewinnchancen klar gegen sie stehen. Im Großen und Ganzen kommen die Spieler gegenüber den Kasinos schlecht weg, aber es gibt eine Handvoll von Leuten, die das Geld und die Fähigkeit haben ein Kasino zu erschüttern, indem sie vier oder fünf Millionen Dollar an einem Wochenende gewinnen.

PN: Wie würden Sie sich mit extrem überzeichneten Journalistenfiguren wie z.B. Sacha Baron Cohen vergleichen? Hatten Sie das Gefühl, Sie mussten noch skurrilere Themen finden  als Reaktion auf den Erfolg, den Baron Cohen mit Borat und Ali G hatte?
LT: Ich sehe Sacha Baron Cohen eher als einen Witzbold, dessen Testpersonen nicht wirklich wissen, auf was sie sich eingelassen haben. Ich bin wirklich nur ein Journalist, der versucht die Menschen, die er trifft und deren merkwürdige Entscheidungen, die sie im Leben getroffen haben, zu verstehen. Ich versuche nicht, sie lächerlich zu machen oder durcheinander zu bringen, nur um witziges Fernsehen zu machen.

PN: Was hat Sie während Ihrer ganzen Serien am meisten schockiert?
LT: Was mich immer am meisten schockiert ist, wie normal einige dieser extremen Menschen, die ich treffe, manchmal sein können. Nachdem ich zehn Jahre diese Art von Dokus mache, habe ich herausgefunden, dass das merkwürdigste an merkwürdigen Menschen ist, wie normal sie eigentlich sind.

PN: Haben Sie Pläne in Ländern außerhalb Amerikas mit interessanten Kulturen zu drehen?
LT: Selbstverständlich, Japan wäre gut, aber die Sprachbarriere würde kompliziert sein. Ich denke, es wäre toll auch nach Israel zu fahren, um den radikalen Zynismus zu erforschen oder vielleicht die religiösen Besucher von Jerusalem zu interviewen. Wir haben auch andere Ideen zu Australien und Afrika, die hoffentlich klappen.

PN: Gibt es eigentlich auch Stars, über die Sie gerne einen Film machen würden?
LT: Das Problem mit den wirklichen Showbiz-Größen ist, dass ich wohl nichtgenügend Zeit mit ihnen bekommen würde. Eine zeitlang wollte ich einen Film über Robert Mugabe, den Präsidenten von Simbabwe machen. Dann sind da noch Menschen wie Danny La Rue oder auch Mike Tyson, die nicht mehr so sehr in der Öffentlichkeit stehen, aber immer noch faszinierende Charaktere sind.

PN: Unter dem Messer  ist der neuste Film Ihrer Reihe.
LT: Stimmt, wir sind gerade mit dem Filmen fertig geworden und die Sendung gibt einen tollen Einblick in die plastische Chirurgie in Beverly Hills. Was mich am meisten schockiert hat, war die Verbreitung von Schönheits-OPs dort und wie etabliert sie mittlerweile sind. In einigen Kreisen ist man eher unnormal, wenn man noch nichts an sich hat machen lassen.

PN: Hält Sie persönlich das, was Sie gesehen haben, von der plastischen Chirurgie ab?
LT: Um die Geschichte aus erster Hand zu erforschen, kam es tatsächlich dazu, dass ich mir Fett am Bauch habe absaugen lassen! [wobei Louis sein Shirt hochhebt und sechs kleine Einstiche zeigt]. Es ist überraschend wie verlockend es ist, wenn man realisiert hat, wie einfach man es haben kann. Wir haben einige extreme Fälle getroffen, die ziemlich schockierend waren – Männer, die sich Muskeln in ihre Brust und Arme haben einsetzen lassen. Aber Sie wären auch überrascht, wie viele Berühmtheiten an ihrem Körper haben arbeiten lassen – selbst die, von denen man es eigentlich nie erwartet hätte!

 

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