TV-Termin Erinnerungsfunktion 

RUSSEL T. DAVIES

Wie sind Sie auf die Idee für „Torchwood“ gekommen?

Ich hatte die Handlung eigentlich schon seit Jahren im Kopf und habe zum Glück die Chance erhalten, sie zu erzählen. Neben den Science-Fiction-Elementen, enthält die Geschichte auch einen sehr aktuellen Bezug für die Zuschauer. Zum Beispiel sitzen wir in den westlichen Industrienationen vor dem Fernseher, sehen uns Nachrichten über Kriege auf der ganzen Welt an, und denken, dass das alles ganz weit weg ist und bei uns zu Hause unmöglich wäre. Eine nette, bequeme Lüge, die wir uns selbst erzählen. Ich wollte eine Geschichte erschaffen, in der die gesamte Menschheit bedroht wird und jeder in Gefahr ist.

„Torchwood: Kinder der Erde“ ist ein TV-Event-Fünfteiler. Hat es Spaß gemacht, die Geschichte über fünf Episoden zu entwickeln?

Ich habe es geliebt. Es war eine große Herausforderung. Vor allem, da drei Drehbuchautoren und nicht nur einer beteiligt waren. Das führte zu vielen E-Mails und Telefonaten auch mitten in der Nacht. Wir haben wirklich als Team gearbeitet, haben uns alle in einen Raum eingeschlossen, um die Storyline und die Charaktere zu entwickeln, und genau so arbeite ich am liebsten. Der Regisseur und der Produzent waren ebenfalls von Beginn an anwesend, was eine sehr ungewöhnliche Arbeitsweise in Großbritannien ist, aber dadurch haben wir unglaubliche Ergebnisse erzielt. Wir waren sehr fokussiert und kannten alle die Richtung, in die es gehen sollte.

Die Kinder sind der Schlüssel zur Geschichte. Denken Sie, dass Kinder Angst einflößender als Außerirdische sein können?

Sie treffen einfach einen Nerv. Wenn unsere Kinder bedroht sind, dann weckt das eine Urangst in uns. Darüber hinaus denke ich auch, dass uns unsere Kinder Angst machen können. Sie können für uns unverständlich und unnahbar sein – deshalb kann eine Jugendbande bedrohlicher sein als eine erwachsene Schlägertruppe.

Sollten die Zuschauer die Vorgeschichte und die anderen Episoden von „Torchwood“ kennen, um „Kinder der Erde“ zu verstehen?

Nein, überhaupt nicht. Es gibt natürlich Referenzen zur ersten und zweiten Staffel, aber wir erzählen auch eine komplett neue Geschichte. Gleichzeitig wird der „Torchwood“-Fan sehr viel Neues über die Mitglieder des Teams erfahren.

Die „456“ sind bisher die größte Bedrohung für „Torchwood“. Wie geht das Team mit der Situation um?

„Torchwood“ droht an den Ereignissen zu zerbrechen und wir können dabei zusehen, wie sie langsam wieder auf die Beine kommen. Und dabei fragen wir uns als Zuschauer immer wieder: Was für eine Art Helden sind das eigentlich und wie weit sind sie bereit zu gehen? Und was ist der Unterschied zwischen einem Freiheitskämpfer und einem Terroristen? Gleichzeitig lernen wir Jack, Gwen und Ianto viel genauer kennen – wir erfahren etwas über ihre Familien, ihre Vorgeschichte, ihre Hoffnungen und ihre Liebesbeziehungen – und auch über ihre Schwächen. Je größer die Bedrohung durch die Aliens wird, umso mehr zeigen sich die Mitglieder von ihrer menschlichen Seite. Ihr aller Leben ist in Gefahr, keiner von ihnen ist sicher.

Erzählen Sie uns mehr über die „456“ – was hat es damit auf sich?

Es geht um die Dimension der Geschichte. Sie entwickelt sich über einen Zeitraum von 40 Jahren, deshalb mussten die Gegner eine umfassende Bedrohung darstellen. Die Aliens sollten eine wirklich intelligente Art mit für uns fremden Werten und Standards sein. Besonders gefällt mir die Idee, dass die Regierung diplomatische Beziehungen mit den Außerirdischen eingeht. Die Zuschauer werden das sehen und sagen: So wird es in Zukunft einmal sein!

In „Kinder der Erde“ treten hervorragende Darsteller in Gastrollen auf. Was tragen sie zum Erfolg der Staffel bei?

Die Darsteller sind großartig, es ist ein absolutes Vergnügen mit Darstellern von diesem Kaliber zu spielen. Das Drehbuchschreiben ist einfach, im Vergleich zur Aufgabe der Schauspieler, die Dialoge und Szenen gut umzusetzen. Mit Cush Jumbo haben wir ein tolles Talent entdeckt. Sie spielt eine unschuldige Sekretärin, die Staatsgeheimnisse auf ihrem Computer entdeckt. Peter Capaldi ist ebenfalls einmalig. Er spielt die Rolle des John Frobisher so detailliert, so nuanciert und am Ende so rührend. Die Zuschauer sollten auch die hinreißende Susan Brown als Bridget Spears im Auge behalten und Nicholas Farrell, der den cleversten und manipulativsten Prime Minister spielt, den man sich vorstellen kann. Liz May Brice ist eine skrupellose Attentäterin. Dann gibt es noch Paul Copley als Clem, eine Person, die viele Geheimnisse aus der Vergangenheit verbirgt. Das größte Mysterium der Staffel ist Lucy Cohu, die Alice spielt, die keine geringere als Jacks Tochter ist. Ich denke, wir haben den besten Cast, den man sich vorstellen kann!

Die Beziehung zwischen Captain Jack und Ianto hat sich weiterentwickelt. Hatten Sie das schon länger im Sinn?

Das hat sich beim Schreiben automatisch entwickelt und entstand durch die Performances von John und Gareth. Es steckt ein großes Potenzial alleine in dieser Geschichte, ob die beiden Männer sich nun wirklich näher kommen werden oder nicht. Es ist ein Vergnügen für solche hervorragenden Darsteller zu schreiben.

Sie haben mitten im Hafen von Cardiff eine bombastische Action-Szene mit aufwändigen Explosionen gedreht. Haben Sie zugesehen, wie diese Szene entstanden ist?

Ich bleibe dem Set normalerweise fern. Das ist viel zu harte Arbeit für mich! Aber diesmal habe ich mir die Dreharbeiten angesehen. Wie immer sind es viele bewährte Kameratricks. Man wählt die richtige Perspektive, ergänzt ein paar schöne Spezialeffekte, und wir konnten die Zerstörung noch verheerender darstellen, als sie war.


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