Bookmark and Share

Ein Jahr in Tibet  [OT: A Year in Tibet]

Ob bei der Ernte, bei Hochzeiten, den Feierlichkeiten zu Buddhas Geburtstag oder dem tibetischen Neujahrsfest - die fünfteilige Reihe erzählt Geschichten aus dem heutigen Tibet, das einem rasanten Wandel unterliegt, und von Menschen, deren Schicksale für diesen Wandel stehen.

Der Besuch

Der Besuch des Panchen Lama, des höchsten in Tibet lebenden buddhistischen Würdenträgers, versetzt die Mönche des örtlichen Klosters von Gyantse in helle Aufregung. Für den Laienmönch Tsephun wird es der aufregendste Tag seines Lebens. Und für Jianzang, den Hotelbesitzer in der Stadt, ist der hohe Besuch trotz der im letzten Moment verstopften Rohrleitungen im Haus und einer Inspektion durch den örtlichen Tourismusbeauftragten ein Geschenk des Himmels, denn er beschert kurz vor der Flautezeit unerwartete Einnahmen.

Währenddessen kommt im Nachbardorf Tangmai die junge Bauersfrau Deji wegen Schwangerschaftskomplikationen ins Krankenhaus. Ärzte und der örtliche Schamane Tseden tun ihr Bestes, um das Leben des Babys zu retten.

Drei Männer und eine Hochzeit

Inzwischen ist es Herbst geworden im südlichen Tibet. Jeder beeilt sich, die Ernte einzubringen. Wie alle Bauern fürchtet Dundan vor allem den für die Getreidefelder verheerenden Hagelschlag. Früher schützte sein Bruder, der Schamane Tseden, die Felder mit Beschwörungen. Heute sind Tsedens Künste überflüssig geworden, denn die Wolken werden durch behördlich bereitgestellte Kanonen zerstäubt.

In der benachbarten Stadt Gyantse sucht der Bauunternehmer Rincheu während der Erntezeit dringend Arbeitskräfte, um einen wichtigen staatlichen Auftrag fristgerecht auszuführen. Im Kloster Pel Kor erholen sich die Mönche von dem anstrengenden Besuch des höchsten buddhistischen Lamas in Tibet. Sie feiern zunächst den Erfolg des Ereignisses und kehren anschließend in ihre Familien zurück, um bei der Ernte zu helfen.

Tseden unterstützt derweil eine Familie bei der Ausrichtung der Hochzeit ihrer Tochter. Ungeachtet der seit Monaten laufenden Vorbereitungen wurde die Braut weder von der bevorstehenden Heirat informiert noch darüber aufgeklärt, dass sie auch gleich den Bruder ihres zukünftigen Mannes heiraten soll.

Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe

Im Pel-Kor-Kloster beginnen die Mönche mit den umfassenden Vorbereitungen zum Neujahrsfest, einem der größten Feste in Tibet. Währenddessen sucht der Rikschakuli Lhakpa in der Stadt verzweifelt nach Möglichkeiten, noch vor Einbruch des Winters genug Geld zu verdienen. Schließlich steigt er in den Handel mit Welpen ein - mit katastrophalen Folgen. Und als sein fünfjähriger Neffe auch noch mit einer lebensbedrohlichen Herzerkrankung ins Krankenhaus eingeliefert wird, verschuldet sich die Familie noch mehr.

Der Hotelbesitzer Jianzang wird in ein Gerichtsverfahren mit überraschendem Ausgang verwickelt. Zur gleichen Zeit quält sich Lhamo im Dorf Tangmai mit unerträglichen Bauchschmerzen herum, die auch vom Arzt nicht gelindert werden können. Lhamo sucht die Lösung im buddhistischen Glauben. Nach der Lehre des Karma könnten ihre Schmerzen die Folge von Handlungen aus einem früheren Leben sein. Dann stehen die Neujahrsfeierlichkeiten an. Die Probleme werden beiseitegeschoben, und es beginnen zwei ausgelassene Festwochen.

Mönche können auch anders

Im Süden Tibets herrscht Winter. Das bedeutet dass die Temperaturen regelmäßig auf Werte von 20 Grad unter Null fallen. Im Pel-Kor-Kloster in Gyantse entdeckt der Klostervorsteher Choephel, dass mehrere unersetzbare Statuen gestohlen wurden. Seiner Meinung nach stammt der Täter aus der Klostergemeinde. Den Diebstahl nimmt die örtliche Kommunistische Partei zum Anlass, eine staatliche "Arbeitsgruppe" zu entsenden, die jene Mönche, die sich eines unwürdigen Verhaltens schuldig gemacht haben, aus dem Kloster entfernen soll.

Währenddessen zieht der Rickshakuli Lhakpa gen Norden. Er will eine gut bezahlte Arbeit auf einer Baustelle annehmen, bekommt aber unerwartet etwas noch Besseres angeboten. Und die KP-Funktionärin Butri erlebt kurz vor ihrem Ruhestand eine unangenehme Überraschung.

Die Geschichte dreier Mönche

Tsultrim ist der stellvertretende oberste Lama des Pel-Kor-Klosters. Er muss bei der Verwaltung des Klosters immer wieder taktieren, um die Vielzahl der staatlichen Bestimmungen einzuhalten. Tsephun ist der jüngste Mönch im Kloster. Mit 12 Jahren wurde er Novize. Jetzt lebt und arbeitet der inzwischen 15-Jährige mit seinem 77-jährigen Lehrmeister, dem Lama Dondrup, zusammen. Tsephun und der mürrische Dondrup teilen sich eine Klosterzelle.

Ihr Verhältnis ist eng, aber nicht ohne Konflikte. Tsephun hilft seinem Meister beim täglichen Aufräumen und Saubermachen. Dafür lehrt Dondrup ihn die Sutras - einprägsame Lehrtexte in Versform, die traditionell als Lehrreden Buddhas gelten - und Schriften, die jeder Mönch beherrschen muss. Im Laufe der Zeit wird aus dem hilfsbereiten und aufmerksamen Tsephun ein aufmüpfiger, von den Turbulenzen der Pubertät geplagter Jugendlicher. Sein Verhältnis zu Dondrup verschlechtert sich derart, dass Dondrup keinen Rat mehr weiß und Tsultrim bittet, Tsephun des Klosters zu verweisen - eine Schande für Tsephun und seine Familie.

Inzwischen leitet Tsultrim die Bestattungsriten für einen der Lamas. Er veranlasst die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zu Buddhas Geburtstag, dem wichtigsten Ereignis im tibetischen Kalender.

 

<< Zurück

 
Mehr Sendungen zum Thema "Kulturen":


Schatzsuche per Satellit - Neues aus dem alten Ägypten

Echnaton und Nofretete - Das göttliche Traumpaar

Bruce Parry - Abenteuer Amazonas

 
 

© 2012 BBC Worldwide Ltd. All rights reserved. The BBC Germany word marks and logos are trademarks of BBC Worldwide Limited | BBC Worldwide Germany GmbH - Cologne