Bookmark and Share

Der Titanic-Eisberg  [OT: The Iceberg That Sank the Titanic]

Ist es möglich, dass eine winzige Schneeflocke, die vor 100.000 Jahren vom Himmel auf das Eisschild der Arktis niedersank, für eine der größten Schiffskatastrophen des 20. Jahrhunderts verantwortlich ist?

Der Film ist das Porträt dieser einen Schneeflocke, die Jahrhunderte lang im arktischen Eis gefangen war, das Kalben der Küstengletscher hautnah miterlebte und eingeschlossen in einem Eisberg auf eine ebenso spektakuläre wie tragische Reise ging. Denn dieser Eisberg sollte am 14. April 1912 das wohl berühmteste Passagierschiff der Geschichte versenken - die Titanic.

Die meisten der Eisberge, die in diese Gewässer vordringen, stammen aus dem Eispanzer, der über Grönland liegt. Große Gletscherzungen fließen durch die Täler und Fjorde entlang des Randes von Grönland und kalben im Meer. Sehr wahrscheinlich, dass auch der Titanic-Eisberg auf diese Weise entstanden ist. Vielleicht hatte der berühmteste Eisberg der Geschichte sogar bereits Menschenleben gekostet, lange bevor er mit dem Luxusliner kollidierte.

Wenn die Gletschertrümmer in den Fjorden und Buchten Richtung Meer treiben, reiben sie sich aneinander, kippen, kollidieren, zerbrechen, drücken sich gegenseitig unter Wasser. Dabei werden gigantische Kräfte frei, die riesigen Eistrümmer zermahlen Häuser an den Küsten und erzeugen Tsunamis, die Schiffe in die Tiefe reißen.

Jeder Eisberg hat seine eigene Stimme. Während des langsamen Abschmelzens zerfurchen immer mehr Kanäle und Spalten den riesigen Eiskörper, dessen Materialspannungen durch Knarren und Quietschen vernehmbar werden. Zunächst trieb der Titanic-Eisberg mit dem Westgrönlandstrom unaufhaltsam nach Norden, pflügte sogar durch Zonen mit Packeis.

Erst als der Grönlandstrom am Rand der Polkappen seine Richtung änderte, machte auch der Titanic-Eisberg kehrt und trieb nach Süden. Er setzte seine Reise entlang der Labrador-Küste fort - und mit ihm 10.000 weitere Eisriesen, die der Strom alljährlich von seiner Nordpol-Expedition mit nimmt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Schneeflocke in seinem Kern noch eine Temperatur von minus 20 Grad. Doch überall an der Außenseite nagten Sonne und See unaufhörlich an dem 15.000 Jahre alten Gletschereis.

Dadurch muss sich auch die Schwimmtechnik des Titanic-Eisberges geändert haben. Alte Eisberge sind instabil - je kleiner sie werden, umso häufiger kippen sie. Als die Titanic zu ihrer Jungfernfahrt ablegte, rollte der Titanic-Eisberg all drei oder vier Tage von einer auf die andere Seite. Er schmolz immer schneller. An diesem Punkt seiner Reise hatte er nur mehr ein Zehntel seiner ursprünglichen Größe.

Die Neufundlandbank vor der kanadischen Küste ist eine Flachwasserzone, die von einer Untersee-Schlucht durchzogen wird. Durch diese Schlucht werden alle Eisberge gepresst, die so weit kommen. Südlich von Neufundland kreuzen die Eistrümmer dann die Schifffahrtslinien. Genau dort sollte der Titanic-Eisberg mit dem damals modernsten Passagierschiff der Welt zusammen treffen.

Eine Woche nach der Kollision verschwand das letzte Stück des Titanic-Eisberges in den Fluten des Golfstroms, als einzige Spur hinterließ er ein kleines Häufchen Sand am Meeresboden. Es besteht aus jenen Sedimenten, die der ehemalige Eisriese vom Ort seiner Entstehung mitgeführt hat.

 

<< Zurück

 
Mehr Sendungen zum Thema "Menschheitsgeschichte":


Die wunderbare Welt des Albert Kahn

Im Fadenkreuz

Mord im Eis

 
 

© 2012 BBC Worldwide Ltd. All rights reserved. The BBC Germany word marks and logos are trademarks of BBC Worldwide Limited | BBC Worldwide Germany GmbH - Cologne