Bookmark and Share

Mythos Ägypten  [OT: Egypt]

Howard Carter – Die Jagd nach Tutenchamun


Die spannende Geschichte eines Mannes und seines Lebenstraumes zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Als 17-Jähriger reist der Engländer Howard Carter zum ersten Mal nach Ägypten. Er ist fasziniert von dem Land am Nil und seinen Geheimnissen um die versunkene Welt der Pharaonen. Der junge Mann verdingt sich eine Weile als Zeichner, tauscht den Pinsel aber schon bald gegen den Spaten ein. Carter will mehr über das wundersame Reich der Alten Ägypter erfahren. Und er träumt von einem Jahrtausendfund – dem Grab von Tutenchamun.

Der sagenhafte Kindkönig bestieg den Thron im Jahr 1333 vor Christus. Schon als Achtjähriger wurde er irdischer Stellvertreter des Gottes Amun und zu einem der mächtigsten Herrscher der damaligen Zeit. Um seinen plötzlichen Tod im Alter von nur 18 Jahren ranken sich bis heute viele Gerüchte.

Doch Howard Carter ist nicht der Einzige, der in der Vergangenheit gräbt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts tummeln sich am Westufer des Nil zahllose Schatzjäger. Gelehrte, vor allem aber Abenteurer erliegen dem Goldfieber – der verlockenden Aussicht auf eine Entdeckung von unermesslichem Wert. Das legendäre Tal der Könige gleicht einer Großbaustelle, auf der auch illustre Ausgräber wie der Bostoner Anwalt Theodore Davis ihr Glück suchen. Eine Weile steht Howard Carter in seinen Diensten, überwirft sich dann aber mit dem Amerikaner. Zu unterschiedlich sind ihre Auffassungen: Während Davis Ruhm und Reichtum vor Augen hat, treibt den britischen Archäologen der Forschergeist: Wer war dieser rätselhafte Tutenchamun?

Das Grab aufzuspüren, ist dem Briten zur Lebensaufgabe geworden. In seinem Landsmann Lord Carnarvon findet Howard Carter einen Mäzen, der die kostspieligen Grabungen finanziert. Der Aristokrat betrachtet die Archäologie als originellen Zeitvertreib, von dem er sich wertvolle Trophäen verspricht. Das ungleiche Paar begibt sich auf die Suche nach dem heute berühmtesten König Ägyptens.

Carters geschichtliche Neugier wächst sich zur Besessenheit aus: Jahrelang drehen er und seine einheimischen Hilfstrupps jeden Stein im Tal der Könige um. Planquadrat für Planquadrat graben sie sich in sengender Sonne voran, mit jedem Rückschlag wird auch Lord Carnarvons Geduld auf die Probe gestellt: Der Geldgeber will endlich Ergebnisse sehen. Zwischen dem Adligen und seinem Grabungsleiter kommt es zu Spannungen.
1922 wähnt sich der britische Selfmade-Archäologe endlich am Ziel. Er findet die Grabstätte des Pharao Tutenchamun. Die Sensation ist perfekt. Doch mit der Entdeckung der unterirdischen Anlage beginnen die Probleme erst.

Jahrzehntelang haben Schatzsucher das Land schonungslos geplündert, nun wollen die Behörden dem Ausverkauf ihrer historischen Relikte einen Riegel vorschieben. Die Ägyptische Antikenverwaltung stellt Carters weitere Arbeit unter strenge Bewachung, gleichzeitig löst Lord Carnarvon einen Presserummel um den spektakulären Fund aus.

Immer häufiger geraten die beiden Partner aneinander. Während Carnarvon von Weltruhm träumt, sieht Howard Carter nun endlich die Chance, bedeutsame Erkenntnisse über das Leben und die Regierungszeit des legendären ägyptischen Kindkönigs zu gewinnen. Zusehends verbissener kämpft Carter für sein Anliegen, die geschichtliche Aufarbeitung über kommerzielle Interessen zu stellen. Für zusätzlichen Unmut sorgt der Umstand, dass Carnarvons Tochter Evelyn dem ehrgeizigen Forscher offenbar sehr zugetan ist.

Das Tauziehen um die letzte Ruhestätte des heute berühmtesten Königs im Land am Nil entwickelt sich zum Machtkampf zwischen zwei ehrgeizigen Männern. Dann erkrankt Lord Carnarvon an einer mysteriösen Infektion. Gerüchte vom Fluch des verstorbenen Pharao sorgen weltweit für Schlagzeilen.

"Die Jagd nach Tutenchamun" rekonstruiert einen der spannendsten Zeitabschnitte in der Erforschung des alten Ägypten. Das aufwändige Dokudrama, eine Koproduktion von ZDF und BBC, erzählt in zwei Folgen von den Schlüsselmomenten bei der Jagd nach dem legendären Pharao. Der Film gibt Einblick in das wechselvolle Leben von Howard Carter – jenes Zeichners, den Hartnäckigkeit und Ausdauer zu einem der größten Archäologen aller Zeiten machten.

Anmerkungen zu Howard Carter
Der glücklichste Tag im Leben von Howard Carter (1873 – 1939) war zweifellos der 4. November 1922, als er nach über 30-jähriger Tätigkeit in Ägypten im Tal der Könige auf ein Pharaonengrab stieß, das sich schon bald als die unversehrte Beerdigungsstätte des vergessenen Tutenchamun herausstellte. Davor und danach gab es nur wenige Ereignisse, die ein Lächeln auf das ernste Gesicht des verbissenen Entdeckers zauberten. Auf seiner unermüdlichen Suche nach dem Kindkönig soll der Engländer über 150.000 Tonnen Sand, Fels und Gestein bewegt haben – unterstützt von nur einer Handvoll von einheimischen Arbeitern. Ein Jahrtausendfund, der Carter zwar über Nacht berühmt machte, ihm damals aber weder die ersehnte Anerkennung seiner Kollegen noch außergewöhnlichen Wohlstand bescherte. Und damit nicht genug: Seine anfängliche Popularität verflog genauso schnell wie sie gekommen war, zurück blieb ein einsamer, verbitterter und kranker Mann. Die Tantiemen aus den drei Büchern, die er über den Fortgang der Grabungsarbeiten veröffentlichte, waren in den letzten Jahren bis zu seinem Tod am 2. März 1939 die einzige Einnahmequelle. Die Fachwelt belächelte das Werk, weil es unwissenschaftlich und für ein breites Publikum geschrieben war, die breite Masse wiederum zeigte sich enttäuscht, weil Carter es peinlich vermied, auf persönliche Details und die unzähligen Komplikationen des Unternehmens Tutenchamun einzugehen, von denen die ganze Welt sprach. Für die wichtigste Publikation aber – ein ausführlicher Bericht über die zahllosen Kostbarkeiten in der Grabanlage – konnte der Pionier der Ägyptologie weder die Kraft noch die finanziellen Mittel aufbieten. Sie steht noch immer aus und hinterlässt eine kaum zu unterschätzende Lücke in der einschlägigen Forschungsliteratur.

Das Fazit einer beinahe tragischen Archäologenkarriere, die 1890 so hoffnungsvoll begann. Als Howard Carter mit siebzehn Jahren in Ägypten eintraf, kam auch er wie viele andere als Schatzjäger ins Land. Der begnadete Zeichner fasste rasch Fuß und erhielt auf Empfehlung des britischen Egypt Exploration Fund eine Stelle bei dem berühmten Ausgräber William Matthew Flinders Petrie, der das außergewöhnliche Talent seines Landsmannes blitzschnell erkannte und ihm alles beibrachte, was ein erfolgreicher Forscher wissen sollte. Der "Vater der Töpfe", wie der namhafte Wissenschaftler noch heute liebevoll genannt wird, befasste sich als Erster mit dem vergessenen Pharao Tutenchamun, der wie ein Phantom durch die Archäologieszene geisterte. Irgendwann während der Zusammenarbeit mit Flinders Petrie reifte in Carter der Entschluss, das unentdeckte Grab des rätselumwitterten Herrschers zu finden. Eine Aufgabe, die ihn ein Leben lang nicht mehr los ließ.

Wie kein Zweiter erlernte der Neuling in Windeseile die Grundlagen der ägyptischen Altertumskunde. Ein scharfer Verstand, blühende Phantasie und grenzenlose Ausdauer machten Howard Carter zum rasanten Aufsteiger der Zunft. Den Feinschliff erhielt er durch das Genfer Multitalent Edouard Naville, der ihm die Aufgabe übertrug, sämtliche sichtbaren Szenen und Inschriften am Tempel der Hatschepsut zu kopieren. Die exzellenten Zeichnungen wurden in sechs Bänden veröffentlicht und brachten dem Briten erste Erfolge ein. Die Weichen für die Zukunft waren gestellt: Der Schützling der beiden großen Lehrmeister entwickelte eine unstillbare Leidenschaft für die Forschung und verbannte die Aussicht auf schnellen Profit für immer aus seinem Denken.

Fortan hieß das Ziel nicht mehr, möglichst viele Funde ans Tageslicht zu bringen für den mehr oder weniger legalen Abtransport nach Europa oder Übersee, sondern Vorhandenes zu erkennen, wissenschaftlich exakt zu verzeichnen, zu rekonstruieren und zu bewahren. Für die Oberste Ägyptische Antikenverwaltung jedenfalls war Howard Carter genau der richtige Mann, um Ordnung in das chaotische Ausgräberwesen zu bringen. Die Behörde erhob den damals 25-Jährigen zum Inspektor für Oberägypten und Nubien mit Sitz in Luxor. Doch offensichtlich nahm der neue Amtsinhaber seine Position für ägyptische Verhältnisse zu ernst. Nach einem Überfall auf eine Grabanlage durch Einheimische wollte er hart durchgreifen und wurde dafür umgehend zwangsversetzt. Als er dann noch betrunkene französische Touristen maßregelte, die an einer Kultstätte mit Wächtern eine Schlägerei anzettelten, war es mit der Inspektorenkarriere über Nacht zu Ende. Mit 31 Jahren stand Carter mittellos auf der Straße und genoss als verkrachte Existenz einen eher zweifelhaften Ruf. Das hochgesteckte Ziel, eigene Ausgrabungen durchzuführen, war plötzlich in weite Ferne gerückt. Wieder arbeitete er als Zeichner für betuchte Ausländer mit einer Konzession und blickte resigniert in die Zukunft.

Das Blatt wendete sich erst wieder, als er 1907 über Umwege Lord Carnarvon kennen lernte. Der kränkelnde Aristokrat hegte schon seit langem den Wunsch, sich als Ausgräber zu versuchen, um auf seinem Anwesen Highclere Castle eine Sammlung aufzubauen. So erwarb er eine Lizenz für das Tal der Könige und machte Carter zu seinem Berater. Es war Hassliebe auf den ersten Blick, und dennoch sollten die beiden Männer für die folgenden 16 Jahre auf Gedeih und Verderb einander ausgeliefert bleiben. Carnarvon erwies sich nicht nur als potenter Mäzen und gewiefter PR-Manager, sondern auch als ausgewiesener Diplomat, der die Ungeschicktheiten und Ausbrüche seines Assistenten immer wieder ausbügelte. Carter fühlte sich zwar mehr als einmal gedemütigt und verabscheute sein Dasein als Lakai des englischen Lords, er wusste aber auch, dass die Zusammenarbeit mit Carnarvon die letzte Chance bedeutete, die Entdeckung seines Lebens zu machen. Ein seltsames Team auf Erfolgskurs, wie Chronisten das Verhältnis der beiden charismatischen Persönlichkeiten beschreiben.

Die Lage spitzte sich zu, als der Jahrtausendfund schließlich glückte und die sensationelle Meldung vom Fund der Grabanlage rund um den Globus geht. Die exklusive Vermarktung der Berichterstattung erhält die Londoner Times, die daraus satte Gewinne schlägt. Angelockt von der Nachricht über die "wundervollen Dinge" pilgern zahlreiche Menschen ins Tal der Könige. Vertreter der ägyptischen Behörden, die oberen Zehntausend aus dem In- und Ausland, Touristen, einheimische Zaungäste und nicht zuletzt neugierige Journalisten bringen Carter zur Weißglut und führen letztlich zum Eklat. Beschwerden, Verbote und massive Anfeindungen sind die Folge, die der schwermütige Engländer nicht verkraftet. Er fühlt sich unverstanden, immer tiefer vergräbt sich der erfolgreiche Finder in seine Arbeit, meidet die Öffentlichkeit und gilt weithin als Sonderling. Den strahlenden Ruhm erntet sein Auftraggeber Lord Carnarvon, und der längst vergessene Pharao Tutenchamun wird mit einem Schlag zur berühmtesten Figur des Alten Ägypten. Um Howard Carter jedoch wird es still. Zehn Jahre lang dokumentiert und präpariert er unter Ausschluss der Öffentlichkeit jedes noch so kleine Objekt, bevor er völlig entkräftet die Kammern der königlichen Mumie der Antikenbehörde in Kairo überlässt. Mit 58 Jahren betrachtet der große Entdecker seine Aufgabe als gelöst, sein Lebenszweck ist erfüllt. Die Geschichte von Tutenchamun steht seither im Mittelpunkt zahlreicher wissenschaftlicher Betrachtungen. Howard Carter hat sie für die Nachwelt gerettet. Er selbst stirbt einsam und verlassen. Zu seiner Beerdigung auf dem Londoner Friedhof Putney Vale kommen nur wenige Trauergäste, um dem wahren König von Luxor die letzte Ehre zu erweisen.


Produktion

Buch Tony Mulholland
Kamera Tim Palmer, Rodrigo Gutierrez
Produktion ZDF, BBC
Redaktion Claudia Moroni, Helga Lippert
Darsteller: Stuart Graham, Julian Wadham, William Hope, u.a.

 

<< Zurück

 
Dieses Produkt zur Sendung finden Sie im BBC Shop.

Zum Shop

Mehr Sendungen zum Thema "Kulturen":


Versunkene Metropolen

Die Wissenschaft des Tötens

Mord im Eis

Jetzt downloaden
Jetzt downloaden
 
 

© 2012 BBC Worldwide Ltd. All rights reserved. The BBC Germany word marks and logos are trademarks of BBC Worldwide Limited | BBC Worldwide Germany GmbH - Cologne