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Kokain - Der Killer Kolumbiens  [OT: Alex James – The Cocaine Diaries]

Es sind Zahlen, die schockieren: 20 Tonnen Kokain werden pro Jahr in Deutschland konsumiert. In Europa wurden 2007 4,5 Millionen Nutzer geschätzt, was im Vergleich zum Vorjahr eine beängstigende Steigerung um eine Million Konsumenten bedeutet. Grund für die rasant steigende Beliebtheit der gefährlichen Droge ist ihre Wirkung: Euphorie, das Gefühl erhöhter Leistungsfähigkeit und das Ausbleiben von Hunger und Müdigkeit. Gesteuert wird das weltweite Kokaingeschäft zu 80 Prozent von Kolumbien aus.

Alex James, Bassist der gefeierten britischen Ausnahmeband Blur ("Girls and Boys", "Parklife", "Country House"), gestand in seiner Autobiografie, jahrelang kokainabhängig gewesen zu sein. Eine Million Pfund hat er während dieser Phase für Drogen ausgegeben. Diese erschütternde Beichte nahm der kolumbianische Präsident Álvaro Uribe zum Anlass, James in sein Land einzuladen, um ihm vor Ort zu demonstrieren, welchen Schaden die Kokainindustrie in Kolumbien anrichtet.

Ein Kamerateam der BBC begleitete den Musiker auf dieser besonderen Reise, die ihm nicht nur die vernichtenden Mechanismen der Drogenkriminalität vor Augen führte, sondern für den 39-Jährigen auch zu einem reinigenden Selbsterfahrungstrip wurde - und das, obwohl James zu diesem Zeitpunkt bereits seit einigen Jahren clean war.

Während seines Aufenthalts in Kolumbien erhielt James nahezu unbegrenzten Zugang zu sämtlichen Lebensbereichen, die im direkten Zusammenhang mit der in Kolumbien grassierenden Drogenkriminalität stehen. Er trifft auf Bauern, Dealer und Drogenbarone. Er wird Zeuge einiger staatlicher Maßnahmen zur Drogenbekämpfung. Das Militär lässt die Coca-Plantagen chemisch vernichten, noch effektiver ist die gezielte Handernte.

Diese Methode allerdings ist für die Arbeiter lebensgefährlich, da die Drogenkartelle das Ackerland vermint haben und regelmäßig Heckenschützen postieren. Von der Einheit, mit der James während seiner Reise sprach, wurden im vergangenen Jahr 32 Arbeiter getötet.

Der Musiker wird aber nicht nur Zeuge staatlicher Programme, sondern spricht auch mit Bauern, denen nichts anderes übrig blieb, als Coca-Pflanzen anzubauen, weil normale Landwirtschaft keinen Gewinn abwirft. Sotero Micolta begann vor sechs Jahren mit dem Coca-Anbau. Davor verdiente er 132 Dollar pro Monat, heute beträgt sein monatliches Einkommen 550 Dollar. "Ohne den Coca-Anbau könnten wir nicht überleben", räumt er ein und macht für diesen Missstand auch die kolumbianische Regierung verantwortlich: "Es gibt keine Alternativen und auch keine konkreten Förderprogramme, um ein neues Geschäft aufzubauen."

In Bogota spricht James auch mit einem Dealer, der ihm erklärt, wie die Drogen hauptsächlich über die spanische Mafia in Europa verteilt werden. Zynisch kommentiert er die stetig steigende Nachfrage: "Die Europäer behandeln Kokain wie ein Party-Requisit. Ich habe damit kein Problem. Es ist schließlich so: Wenn ich nicht trinken will, bestelle ich keinen Drink. Wenn ich keine Line ziehen will, kaufe ich kein Kokain." Um den ungestörten Drogenfluss zu garantieren, greifen die Kartelle auf Auftragskiller zurück.

Das Geschäft mit den Drogen steht in direktem Zusammenhang mit der unkontrollierbaren Gewaltkriminalität in Kolumbien. "Das Geld der Kokainkäufer fließt bei uns in Landminen, ist mitverantwortlich für Umweltzerstörung, Entführungen und Terrorismus", richtet Kolumbiens Vize-Präsident Francisco Santos Calderon einen erschütternden Appell an die Zuschauer. "Wenn ich das sage, glaubt man mir nicht." Wenn allerdings James das, was er vor Ort gesehen hat, in Europa verbreitet, würde man ihm vielleicht endlich Gehör schenken, ist Calderon überzeugt, dass die Dokumentation einen positiven Effekt haben wird.


Biographie Alex James

Alex James wird am 21. November 1968 in Boscombe, Großbritannien, geboren. 1989 trifft er auf Graham Coxon, Damon Albarn und Dave Rountree. Zu viert gründen sie eine Band, nennen sie zunächst Seymour, später dann Blur. Von 1990 an macht sich das Quartett zunächst einen Namen als innovative Alternative-Band.

Mit ihrem dritten Album "Parklife" gelingt ihnen der kommerzielle Durchbruch in Gesamt-Europa. Alleine in ihrer Heimat stehen Blur dreimal auf Platz eins der Single-Charts, alle ihre seitdem veröffentlichten Alben wurden mit Edelmetall ausgezeichnet.

Legendär ist der in erster Linie von den Medien forcierte "Battle of the Bands" zwischen Blur und Oasis, in dem es um die Vormachtstellung im hart umkämpften Genre des Britpop ging. Mit jedem Album wurden Blur experimentierfreudiger, unter Kritikern genießen sie einen nahezu unantastbaren Ruf.

In seiner Autobiografie gestand Alex James, dass er jahrelang kokainabhängig war. Heute ist er clean und arbeitet in erster Linie als Bio-Bauer. Seit 2003 ist er verheiratet mit Videoclip-Produzentin Claire Neate. Gemeinsam haben sie vier Kinder. Offiziell haben sich Blur nie getrennt. Trotzdem bezeichnete James sein Bandleben in einem Interview als "Vergangenheit".


 

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