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Charles Darwin - Die Entdeckung der Natur

 

Am 12. Februar 2009 jährt sich der Geburtstag des britischen Naturforschers und Begründers der Evolutionstheorie, Charles Darwin, zum 200. Mal. Seine Erkenntnisse waren grundlegend für die moderne Biologie und lieferten die einzige bis heute gültige Erklärung für die Vielfalt des Lebens und die Herkunft des Menschen. Der Grandseigneur des Naturfilms, Sir David Attenborough, verfolgt für die BBC-Dokumentation "Charles Darwin - Die Entdeckung der Natur" den Lebensweg des einflussreichsten Naturwissenschafters aller Zeiten und den Erkenntnisprozess, den Charles Darwin dabei durchlief.

Attenborough war von frühester Jugend an fasziniert von Darwins Hauptwerk "Über die Entstehung der Arten" und hält es bis heute für einen Glücksfall der wissenschaftlichen Literatur. "Es ist ein Buch, das sehr wenige Fachbegriffe benutzt und von jedem ganz leicht verstanden werden kann." Dementsprechend heftig waren die Reaktionen der Zeitgenossen auf das Buch. Denn während der knapp 2.000 Jahre, bevor Darwin seine Erkenntnisse veröffentlichte, konnte die unfassbare Vielfalt der Arten in der Natur nur durch göttliche Schöpfung erklärt werden. Darwin ersetzte diese Vorstellungen durch Ideen, die so ziemlich allem widersprachen, was man zuvor zu denken gewagt hatte.

Wichtigste Quelle für Inspiration und Anschauungsmaterial war jene mehrjährige Weltumseglung, die Darwin als junger Mann an Bord des Forschungsschiffes HMS Beagle unternommen hatte. Vor allem der Aufenthalt auf den Galápagos-Inseln konfrontierte den damals 26-Jährigen mit einer Fülle von Phänomenen, die einer zuvor undenkbaren Erklärung bedurften. Zurück im heimischen Kent begann er die vielen Beobachtungen seiner Reise - von Galápagos-Riesenschildkröten mit verschiedenen Panzerformen bis zu Spottdrosseln, die für jeden Lebensraum den passenden Schnabel besaßen - zu ordnen. David Attenborough sitzt am Schreibtisch des Naturforschers und versetzt sich in Darwins Gedankengänge: "Vielleicht waren Arten keine endgültigen Formen, vielleicht konnten sie sich schrittweise verändern und sich über viele Generationen in andere Arten verwandeln."

Die Annahme, dass Arten ohne göttlichen Eingriff entstehen sollten, schockierte Darwins Ehefrau Emma, eine tiefgläubige Christin. Und dem Forscher war klar, dass solche Ideen seine Zeitgenossen aufs Äußerste empören würden. "Möglicherweise sah er den Skandal vorher, den seine Ideen auslösen würden, und wahrscheinlich wollte er auch noch mehr Beweise sammeln", vermutet David Attenborough. Jedenfalls blieb seine Arbeit über den Ursprung der Arten viele Jahre hindurch unveröffentlicht. Vorenthalten wollte Darwin seine Erkenntnisse der Welt aber auf keinen Fall: In dieser Zeit lag bereits eine Fassung des Buchmanuskripts in einer Besenkammer seines Hauses in Kent, versehen mit Instruktionen, wie es im Fall seines Ablebens zu publizieren wäre, erklärt Attenborough: "Außerdem legte er die Summe von 400 Pfund bei, die eine Veröffentlichung ermöglichen sollten."

22 Jahre nachdem er von seiner Beagle-Reise zurückgekehrt war, wurde er schließlich zur Veröffentlichung gezwungen. Darwin erhielt im Juni 1858 Post von einem Naturforscher, der das heutige Indonesien bereist hatte: Alfred Russell Wallace. Das Postpaket enthielt eine Abhandlung, die exakt dieselben Ideen von der Entstehung der Arten enthielt, die Darwin schon formuliert hatte. Die beiden Gentlemen beschließen, ihre Ideen gleichzeitig der Linné-Gesellschaft in London vorzustellen.

Es gab praktisch keine Resonanz. Der Sturm brach erst los, als Darwins "Über die Entstehung der Arten" am 24. November 1859 in Buchform erschien. Die darin formulierten Theorien waren nicht nur in der Öffentlichkeit ein Skandal, sondern auch in der Fachwelt heftig umstritten. Besonders sein ehemaliger Mentor Richard Owen, damals Direktor des Naturhistorischen Museums in London, schoss sich auf Darwin ein. Eine der offensichtlichen Schwächen der Theorie bestand darin, dass sie nicht genau erklären konnte, wieso Fische, Reptilien, Säugetiere und Vögel von gemeinsamen Vorfahren abstammten, aber keine Zwischenformen existieren, die Merkmale beider Gruppen zeigten. "Nur zwei Jahre später erwarb Richard Owen ein höchst ungewöhnliches Fossil für sein Museum", so Attenborough: "Es trägt den Namen Archäopterix." Es waren die versteinerten Überreste eines Wesens, das zweifellos Federn hatte, aber sonst so gar nicht wie ein Vogel aussah. Der Archäopterix musste eine dieser fehlenden Zwischenformen sein.

"Die Flugkünste des Archäopterix waren bestenfalls bescheiden", schmunzelt Attenborough: "Kein Wunder, dass er bald von moderneren, effizienteren Vögeln verdrängt wurde." Diese Vögel besaßen leichte Hornschnäbel statt schwerer zahnbestückter Kiefer und hatten ihr Knochenskelett so weit wie möglich durch kräftige Federn ersetzt. "Es ist das Schicksal dieser Zwischenformen, dass sie aussterben. Und deshalb kennen wir sie nur von ihnen versteinerten Überresten."

Das Schicksal von Darwins Idee war wiederum, dass sie mit zeitgenössischen Mitteln nur lückenhaft zu beweisen waren. Darwin quälten zum Beispiel Zweifel, weil die ältesten ihm bekannten Fossilien von bereits relativ hoch entwickelten Lebensformen stammten. "Die ältesten zu Darwins Zeiten bekannten Fossilien stammen aus dem Kambrium", sagt Attenborough. Es sollte noch bis weit ins 20. Jahrhundert dauern, ehe die ersten Fossilien gefunden wurden, die älter als 500 Millionen Jahre waren.

Darwin konnte viele Einwände schwer entkräften. Wenn alle Tiere gemeinsame Vorfahren haben, wie kommt es dann, dass manche von ihnen überall auf der Welt leben? Wie kommen dieselben Frösche nach Südamerika und nach Afrika? "Als ich in den 1940er Jahren in Cambridge Geologie studierte, waren solche Fragen immer noch heiß umstritten", erinnert sich Attenborough. Zwar hatte der deutsche Geowissenschafter Alfred Wegener bereits im Jahr 1912 die Theorie der Kontinentalverschiebung aufgestellt, aber Attenborough bekam von seinem Professor noch mehr als 30 Jahre später zu hören: "Bis Sie mir eine Kraft auf der Welt zeigen können, die Kontinente auch nur einen Millimeter bewegt, ist diese Idee reiner Unsinn, mein Junge." Erst als es in den 1960er Jahren möglich wurde, den Meeresboden exakt zu kartieren, konnte die Verschiebung der Kontinente bewiesen werden - und damit, wenn auch nachträglich, Darwins Ideen.

Leider wusste Darwin auch noch nichts von den grundlegenden biochemischen Mechanismen im Erbgut und welche Rolle sie für die Form jedes Lebewesens spielen. "Durch DNA-Analyse können wir heute die Herkunft jedes einzelnen Tieres nachzeichnen - und damit Darwins Grundidee beweisen: Alle Lebensformen sind miteinander verwandt."

Das Verblüffendste an Darwins Ideen ist, dass ihre Genialität sich erst durch die wissenschaftlichen Erkenntnisse der vergangen 200 Jahre wirklich erwiesen hat. "Die Beweise für die großen Wendepunkte in der Evolution sind ebenso zweifelsfrei erwiesen wie, sagen wir, der Umstand, dass Wilhelm der Eroberer im Jahr 1066 in England landete", fasst David Attenborough zusammen. "Wobei die Beweise für die Evolution noch schwerer wiegen, weil sie von so vielen verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen kommen."

Produktion

Presenter David Attenborough (Life in Cold Blood, Life in the Undergrowth)
Executive Producer Brian (LeithLife on Air, Congo)

 

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