Dachse haben keinen besonders guten Ruf: Sie gelten zwar als schlau, aber auch als lästig. Vielen Menschen sind sie ein Dorn im Auge, weil sie Gärten heimsuchen und auf Bauernhöfen angeblich sogar Kleinvieh reißen.
Die Kamera folgt den Dachsen in ihrem weitläufigen Höhlensystem tief unter der Erde und liefert einmalige Bilder aus der Kinderstube von Meister Grimbart. Dachse sind eines der charakteristischsten Säugetiere der heimischen Wälder, sie kommen in großer Zahl in Europa und weiten Teilen Asiens vor. Und doch begegnet man ihnen nur mit viel Glück. Das ist auch im Südwesten Englands nicht anders, wo so viele der längsgestreiften Marderverwandten leben wie nirgendwo sonst auf der Welt. Mit Hilfe von raffinierten Kamerasystemen, die in einem ungewöhnlich großen Dachsbau positioniert wurden, gelangen einem Team der BBC einmalige Aufnahmen aus dem geheimen Leben der Dachse. „Bevor wir mit den Dreharbeiten begannen, sprach ich mit einem Dachs-Experten“, erinnert sich Regisseur Andrew Cooper: „Ich fragte ihn, wie viel wir eigentlich über ihr Leben unter Tag wissen. Und er hielt einfach nur ein leeres Blatt Papier hoch. Wir hatten also das erste Mal die Gelegenheit, zu beobachten, was da unten vor sich geht.“
Der Film verfolgt eine Dachs-Großfamilie über den Verlauf eines gesamten Jahres – von der Geburt der Welpen im Winter über ihr erstes Auftauchen an der Oberfläche im Frühling und die vielfältigen Überraschungen des Sommers bis zu den herbstlichen Reparaturarbeiten an ihrem weitläufigen Dachsbau vor der Winterruhe. Was ihre Behausung betrifft, zeigen sich Dachse sehr penibel. Sie lüften regelmäßig die Pflanzenpolsterung, auf der sie schlafen und benutzen spezielle Latrinen außerhalb des Baus. Manche der Tunnelsysteme werden über Jahrhunderte von vielen Dachs-Generationen benutzt, währenddessen immer wieder erweitert und umgebaut wird. Der Dachsbau, der für diese „Universum“-Dokumentation beobachtet wurde, hat auf diese Weise gigantische Ausmaße erreicht: 300 Meter Tunnel, die auf drei Ebenen ineinander verschachtelt sind.
Das Filmteam benutzte acht Zentimeter lange wasserdichte Mikrokameras, um in dieses Labyrinth vorzudringen. Am Ende der sechs Monate dauernden Vorbereitungen, bei der die Tiere sich langsam an die eigenartigen Vorrichtungen in ihrem Zuhause gewöhnen konnten, hatten die Filmer mehr als ein Kilometer Kabel in die diversen Gänge und Tunnel des Baus verlegt. „Das Schwierigste dabei war, die Kameras unter der Erde in die richtige Position zu bringen, sodass wir sehen konnten, was da unten vorgeht“, berichtet Regisseur Cooper von den sich unerwartet kompliziert gestaltenden Dreharbeiten: „Mäuse und Eichhörnchen hatten sich offenbar verschworen, um ständig irgendwelche Kabel durchzuknabbern. Außerdem sind einige Kameras mit Pflanzen zugewachsen.“ Aber auch die Dachse selbst machten den Filmern das Leben schwer: „Sie kamen dauernd und schnüffelten oder schleckten an den Kameras, ein Welpe hat sogar auf einer herumgekaut. Die eingespeichelte Optik hat natürlich die Sicht stark eingeschränkt.“
Diese Form der Langzeitbeobachtung erbrachte aber auch viele bisher unbekannte Einsichten in das Sozialleben der nachtaktiven Tiere: „Einmal gab es ein heftiges Gewitter und in einer Kammer hatten sich fünf Dachse versammelt, alle aufeinander gelegt. Und im Vordergrund saß ein sechs Monate altes Junges. Man hörte durch die Mikrofone, wie der Donner durch die unterirdischen Gänge hallte – und dieses Junge hielt sich mit seinen Pfoten die Ohren zu“, schmunzelt Cooper. „Das waren wirklich fesselnde Bilder“. Im Dachsbau ging es aber nicht immer nur friedlich zu. Während der Sommermonate wurden die jungen Männchen zunehmend streitlustig: „Es ist lange hell und die Tiere können es nicht mehr erwarten, aus dem Bau zu kommen“. Als Folge rannten die Dachse durch die Gänge und fielen übereinander her. Da all die Vorgänge im Bau in vollkommener Dunkelheit stattfinden, mussten die Tunnel mit Infrarotstrahlern beleuchtet werden, um die Tiere nicht zu stören und dennoch brauchbare Bilder zu erzielen. „Sie erzeugen ihre Raumwahrnehmung nur mit Hilfe von Berührungen, Geräuschen und Gerüchen – das ist wirklich erstaunlich.“
Produktion
Producer Andrew Cooper
Series Producer Tim Martin