FOLGE 4 : Eismeer
Ein eisiger Sturm fegt über die weiße Wildnis...
und die einzige Zuflucht ist eine Höhle unter dem Eis. Hier unterbrechen nur die entfernten Schreie der Robben die Stille. Das ist die Antarktis. Oder ist es die Arktis?In der Vorstellung der meisten Menschen sind die Polarregionen der Erde völlig identisch, obwohl sie verschiedener nicht sein könnten.
Die Antarktis ist ein Kontinent, eine Landmasse, die von Eis umschlossen ist. Die Arktis hingegen ist mit Eis bedecktes Meer, umgeben von Land. An den Rändern der Polarmeere stößt das Leben an seine äußersten Grenzen. Das Leben der Tierwelt beider Pole ist geprägt von der unerbittlichen Umklammerung des Eises im Winter und einer kurzen Periode des Überflusses in den Frühjahrs- und Sommermonaten. Doch während die Tierwelt des Südpols keine Landraubtiere zu fürchten hat, ist die Arktis die Heimat eines der größten, des Eisbären. Seine Nahrungspalette ist breit gefächert: Weder Robben, noch Wale oder Vögel sind vor ihm sicher.
Die meisten Tiere verlassen die Antarktis im Winter. Nicht so die Kaiserpinguine. Bei denkbar schlechtestem Wetter beginnen sie nun, ihre Eier auszubrüten und die Jungen großzuziehen. In riesigen Kolonien kuscheln sie sich monatelang aneinander, um sich vor den Eisstürmen zu schützen. Auch die Weddell-Robben trotzen der bitteren Kälte. Sie schaben regelmäßig mit ihren Zähnen an der Eisdecke, die das Meer überzieht, damit ihre Atemlöcher nicht zufrieren. Für sie ist das Meer im antarktischen Winter der gefragteste Aufenthaltsort: Hier bleiben die Robben vor den heftigen Stürmen verschont. Ein- und Ausstiegslöcher sind auch für die Bewohner der Arktis lebenswichtig. Walrosse etwa kehren jeden Winter an dieselben Stellen zurück, an denen sie sicheren Zugang zum Wasser finden. Alle Robben der Arktis müssen bei der Aufzucht ihrer Jungen die ständige Gegenwart von Eisbären fürchten. Gesäugt werden die Robbenbabys daher nur ein paar Tage lang, dafür mit extrem fett- und nährstoffreicher Milch, die für eine ausreichende Speckschicht sorgt, die Jungrobben schnell wachsen lässt und ihnen den bestmöglichen Start ins Leben garantiert. Dennoch werden viele von ihnen nur ein paar Tage alt, denn Robbenbabys zählen zur Lieblingsnahrung der Eisbären.
Sobald die Frühjahrssonne durch das Eis dringt, beginnt sich an seiner Unterseite das Plankton zu vermehren. Es zieht riesige Schwärme von Fischen an, denen Vögel, Narwale und Belugas folgen. Walrosse ernten den Meeresboden ab, Zwerg- und Buckelwale mästen sich am Krill, aber der Überfluss dauert nur wenige Wochen, und die Schrecken des Eises und der Finsternis kehren wieder zurück.