FOLGE 2 : In der Tiefsee
80 Prozent des Weltmeeres sind mehr als 1.000 Meter tief ...
... und doch ist die Tiefsee der unbekannteste aller marinen Lebensräume. Für uns Menschen sind solche Tiefen tödlich, und nur eine Hand voll Tauchboote kann dorthin vordringen. Mithilfe modernster Techniken unternimmt der zweite Teil der Reihe "Unser blauer Planet" eine Reise von der Wasseroberfläche bis in die scheinbar lebensfeindliche Welt der Tiefseegräben.
Nur in den klarsten Gewässern dringt das Sonnenlicht ein paar Hundert Meter tief vor. Diese Zone ist der Schauplatz eines unablässigen Versteckspiels. Viele Tiere sind durchscheinend und vertrauen darauf, im Halbdunkel unerkannt zu entkommen. Hier verbirgt sich eine Vielfalt von Quallen ebenso wie transparente Kalmare. Wer aufgrund seines Muskel- und Skelettaufbaus nicht unsichtbar werden kann, greift zu anderen Tricks: Aalmuttern verkrümmen ihren Körper zu seltsamen Formen, um Angreifer zu erschrecken, Faltbauchfische verwirren Räuber, indem sie mit ihren abgeflachten Körpern und reflektierenden Seiten wie Spiegel erscheinen. Aber auch die räuberischen Bewohner der Dämmerlichtzone haben eine Antwort auf diese Täuschungsmanöver parat: Sie haben hoch empfindliche Augen entwickelt, mit denen sie den kleinsten Lichtschein zu ihrem Vorteil nützen.
In tausend Meter Tiefe herrscht ewige Nacht, in der nur noch Tiere überleben können. Pflanzen, die Licht für die Photosynthese brauchen, können hier nicht mehr existieren. Aber gerade die ewige Dunkelheit ist der Lebensraum der bizarrsten Arten. Die Raubfische der Tiefsee haben gewaltige Zähne und riesige Mäuler. Hier schwimmt so selten Fressbares an ihnen vorbei, dass sie fähig sein müssen, Beute jeglicher Größe zu überwältigen. Um Energie zu sparen, stehen sie wie geduldige Mäusefallen reglos im Wasser und warten auf Beute. Mit empfindlichen Fühlern und ihrem Seitenlinienorgan registrieren sie die kleinste Bewegung in der Finsternis.
Bioluminiszenz ist die einzige Lichtquelle in der Tiefsee. Laternenfische besitzen eine Reihe von Leuchtorganen, die der Kommunikation dienen. Potenzielle Beutetiere bedienen sich der Bioluminiszenz, um Angreifer in die Flucht zu schlagen, während Anglerfische mit ihren Leuchtorganen regelrecht Beute ködern. Die mittlere Tiefe des Ozeanbodens liegt bei etwa 4.000 Meter. Die meisten Tiere, die in dieser kalten Finsternis, in der immenser Wasserdruck herrscht, existieren, sind Aasfresser. Ihr ausgezeichneter Geruchssinn führt Tausende Inger zu den Fisch- oder Walkadavern, die ab und zu von der Wasseroberfläche zum Meeresboden sinken. Oft tauchen sogar riesige Eishaie an solchen Fressplätzen auf. Alles Leben in der Tiefsee ist völlig unabhängig vom Sonnenlicht. In mehreren tausend Meter Tiefe ist Vulkanismus die Lebensgrundlage. Entlang von Vulkanketten hat sich eine ganze Tiergemeinschaft darauf spezialisiert, ihre Energie aus heißen Tiefseequellen zu gewinnen. Hier steht Schwefelwasserstoff am Beginn der Nahrungskette, in die sich Muscheln und Krebstiere ebenso reihen wie Fische und Kraken.