HILFE! MEIN SOHN IST MAGERSÜCHTIG
Der Alltag in einer Spezialklinik für Magersüchtige gewährt Einblicke in die Gefühlswelt der Jungen und deren Erfolge und Misserfolge im Kampf für ein neues, gesundes Leben.
Magersucht gilt als ein typisches „Mädchen-Problem“. Doch auch immer mehr Jungen hungern sich auf ein lebensgefährliches Gewicht herunter. Schätzungsweise jeder zehnte Magersüchtige ist heutzutage männlich. In der Londoner Klinik Rhodes Farm werden junge Patienten mit Essstörungen behandelt. BBC Exklusiv begleitet drei Jungen im Alter zwischen 11 und 15 Jahren während ihres monatelangen Aufenthaltes in der Klinik und zeigt die Höhen und Tiefen auf dem steinigen Weg zurück in ein normales Leben ...
Magersüchtige sind häufig Menschen, die sehr leistungsorientiert und perfektionistisch sind, doch sich in ihrem Leben oft hilflos fühlen. Gerade in der Pubertät stehen diese Jugendlichen der Veränderung ihres Körpers hilflos und ohnmächtig gegenüber. Vielen scheint eine übermäßige Kontrolle ihres Körpergewichts ein Ausdruck von Selbstbestimmung und Erfolg zu sein. Die eigene Selbstwahrnehmung verfälscht sich zunehmend und viele Patienten werden erst in eine Klinik eingeliefert, wenn sie sich bereits in lebensgefährlichem Zustand befinden.
Auch die drei Jungen Declan, Simon und Warren waren kurz davor zu verhungern, als sie nach Rhodes Farm kamen. Nur langsam lernen sie hier, magersüchtige Zwangsvorstellungen abzulegen und sich normal zu ernähren.
Warren ist der jüngste Patient in Rhodes Farm, er ist gerade mal 11 Jahre alt. Der Wunsch, ein erfolgreicher Sportler zu werden, hat seine Magersucht ausgelöst. Er trainierte übermäßig viel und aß kaum noch, bis er fast bis auf die Knochen abgemagert war.
Declan befindet sich bereits auf dem Weg der Besserung und hat sein gesundes Zielgewicht nahezu erreicht. Zur Belohnung darf er einige Tage bei seinen Eltern verbringen. Diese Zeit dient gleichzeitig als Test, ob Declan in seiner gewohnten Umgebung in alte Muster seiner Essstörung zurückfällt.
Simon ist von den drei Jungen am kürzesten in Rhodes Farm und noch sehr in seinen magersüchtigen Verhaltensmustern gefangen. Er zählt penibel die Kalorien jeder Mahlzeit und hat bestimmte, fast zwanghafte Rituale beim Essen. Er ist noch am weitesten von seiner Entlassung entfernt, denn er muss erst verstehen, dass Nahrung kein Feind, sondern lebensnotwendig ist.
In Rhodes Farm sollen alle drei lernen, sich selber besser zu verstehen und gesund und unbeschwert mit Essen umzugehen. In diesen Prozess werden auch die Eltern eng mit einbezogen. Ihre Aufgabe ist es, ihren Kindern nach der Entlassung zur Seite zu stehen und sie vor einem Rückfall zu bewahren.