INTERVIEW ZUR DOKUMENTATION LIEBE IM ROLLSTUHL
Interview mit Regisseurin Jane Beckwith
Über das Sexleben behinderter Menschen wird in den Medien nicht oft berichtet. Was inspirierte Sie dazu, einen Film zu diesem Thema zu drehen?
Jane Beckwith: Ich hörte von einem behinderten Mann, der über einen gemeinsamen Freund ein Bordell besucht hatte, und war gespannt darauf, ihn kennenzulernen. Er erzählte mir seine Geschichte und mich bewegte zutiefst, was er über seine Probleme bei der Suche nach einer Freundin und einem normalen Sexleben zu sagen hatte. Über so etwas hatte ich davor gar nicht nachgedacht, und ich war der Ansicht, dass die Leute über so ein Thema Bescheid wissen und reden sollten. Asta hat eine starke Persönlichkeit und einen grandiosen Humor; mir war einfach klar, dass man mit ihm gut einen Film zustande bringen würde. Er erzählte mir, er wolle erneut ins Bordell und Andere mitnehmen. Zum Glück stimmte die BBC zu, dass das eine großartige Story sei.
Haben Sie absichtlich einen Bogen um eine eher reißerische Berichterstattung gemacht, die man ja in anderen Programen zum Thema Sex allzu oft vorfindet?
Jane Beckwith: Ja, ganz genau. Es war äußerst wichtig, in dem Film den richtigen Ton anzuschlagen. Witzig, aber auch bewegend – und auf keinen Fall billig oder ausbeuterisch. Die Jungs hatten einen sehr guten Humor und konnten sehr offen über Sex und ihre unterschiedlichen Behinderungen sprechen. Wir schreckten vor heiklen Themen bei der Frage, ob es richtig ist, Frauen für Sex zu bezahlen, nicht zurück. Gleichzeitig hoffen wir, man stimmt mit uns darin überein, dass der Film zurecht unterhaltsam ist.
Stießen Sie beim Drehen des Films auf irgendwelche Schwierigkeiten oder auf Leute, die der Meinung waren, das Thema – im Wesentlichen eine Fahrt in ein Bordell – sei geschmacklos?
Jane Beckwith: Asta begab sich durch den Besuch bei mehreren Behindertengruppen auf die Suche nach Leuten, die die Reise mit ihm antreten wollten. Er war überrascht darüber, dass es einige doch sehr negative Reaktionen gab. Es lag auf der Hand, dass immer irgendjemand gegen sein Unterfangen sein würde. Als der Film dann allerdings in Großbritannien gezeigt wurde, waren die Reaktionen fantastisch.
Wie entwickelte sich während der Dreharbeiten die Gruppendynamik? Asta schien etwas enttäuscht darüber zu sein, dass Shah sich ganz bewusst gegen den Sex mit einer Prostituierten entschied, da es für ihn nicht das Richtige war.
Jane Beckwith: Als Shah sich entschied, doch nicht mitzumachen, war das für Asta nicht leicht. In der Ferienvilla herrschte so ungefähr einen Tag lang keine allzu gute Stimmung. Ich glaube, Shahs Entscheidung führte dazu, dass Asta seine eigenen Pläne auch hinterfragte. Sie sind jedoch damit fertig geworden.
Wie war die Resonanz der Zuschauer in Großbritannien? Wie reagierte man auf das Programm?
Jane Beckwith: Die Reaktionen waren sehr positiv. Die Jungs erzählten, wie sie von den Leuten auf der Straße angesprochen wurden und diese ihnen sagten, wie sehr ihre Geschichte sie gerührt hätte. Auch im Internet gab es ein sehr starkes Feedback. Das bedeutete allen sehr viel.
Wie geht es Asta, Lee und Shah jetzt? Halten sie noch Kontakt zueinander? Sind sie noch einmal nach Spanien gegangen?
Jane Beckwith: Alle von ihnen kommen zurecht, aber Freundinnen sind leider keine in Sicht. Sie stehen alle noch in Kontakt zueinander, eine dauerhafte Freundschaft also, was ja großartig ist. Shah verbrachte Weihnachten mit Asta und seiner Familie. Es gibt derzeit keine Pläne, noch eimal nach Spanien zu gehen. Ich glaube, sie würden alle lieber jemanden kennenlernen und eine richtige Beziehnung führen.