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INTERVIEW  ZUR DOKUMENTATION VIRTUELLE LIEBE


Interview mit Nick Mirsky, Executive Producer

Unsere erste Frage ist natürlich, ob Sie jetzt auch bei Second Life registriert sind!
Nick Mirsky: Um ehrlich zu sein, nein! Aber mein Team war durch die Bank registriert und fast alle haben sich eigene „Avatare“ zugelegt und kreiert. Die Mannschaft hat viel Zeit in der virtuellen Welt verbracht, um so die Menschen dort kennenzulernen.   

Haben Sie auf diese Art und Weise auch die beiden Paare gefunden, die in der Dokumantation vorkommen?
Nick Mirsky: Ja, genau. Der erste Kontakt fand online statt. Das Produktionsteam lief sozusagen durch Second Life und hat die Leute darauf aufmerksam gemacht, was wir mit dem BBC Programm vorhatten. So sind wir weitergereicht worden und haben schliesslich die vier Hauptpersonen des Films kennengelernt.

Wie kamen Sie auf den Gedanken, eine Doku über dieses Internet Phänomen zu machen?
Nick Mirsky: Das Internet und virtuelle Welten werden immer mehr Teil unseres Alltags. Wir wollten das in einem Film aufgreifen. Zuerst hatten wir ein paar Ideen zu Online Spielen, die ja vor allem junge Männer sehr in ihren Bann ziehen. Aber während der Recherche sind wir immer wieder bei Second Life gelandet.

Und was hat diese virtuelle Welt so interessant gemacht, dass Sie an Ihr nicht vorbei kamen?
Nick Mirsky: Für mich war immer der zentrale Gedanke, einen Film zu machen, der nicht einfach nur diese Welt zeigt, sondern vor allem wie diese Welt langsam das „echte“ Leben beeinflusst und dort schliesslich zu Konflikten führt. Second Life, mit seinen sehr komplexen menschlichen Beziehungen war da natürlich sehr geeignet. Ohne diesen Konflikt mit dem echten Leben wäre es wohl auch schwer gewesen, die Zuschauer für eine Internet Story zu begeistern. Die Leute wollen einfach Geschichten und Dokumentationen sehen, die auch in der echten Welt Relevanz haben und Aspekte unser aller Alltag aufgreifen. 

Die US-Amerikanerin Carolyn vernachlässigt wegen Second Life ihren Ehemann und ihre Kinder und verbringt täglich bis zu 14 Stunden in der virtuellen Welt. Mit ihren grossen Hoffnungen in die virtuelle Liebesbeziehung zu Elliot und der Enttäuschung als diese Affäre dann in der Realität nicht funktioniert, wirkt sie fast wie eine tragische Figur.
Nick Mirsky: Ja, das kann man schon so sagen.  Sie war ja anscheinend in ihrer Ehe sehr frustriert und Second Life bot ihr auf einmal ein viel aufregenderes, glamoröseres Leben. Problematisch ist natürlich, dass sie begann alle ihre Wünsche und Träume auf die Online-Affäre mit Elliot zu projezieren. Das hat sich dann leider bei dem Zusammentreffen der beiden in der echten Welt, als Luftblase erwiesen.

Lässt das den Rückschluss zu, dass alle Second Life Beziehungen zum Scheitern verurteilt sind?
Nick Mirsky: Nein, absolut nicht. Die Geschichte von Steve und Kristen beweist ja, dass es auch funktionieren kann. Die beiden haben sich in Second Life kennengelernt und sich dann auch ineinander verliebt als sie sich im echten Leben trafen. Wir wollten auch mit dem Film nie ein Urteil fällen, ob Second Life jetzt gut oder schlecht ist. Natürlich gibt es Versuchungen und Gefahren aber uns ging es vor allem darum zu zeigen, wie wichtig so eine virtuelle Welt für manche der Beteiligten werden kann. Es war absolut faszinierend wie intensiv und emotional die Leute dort Beziehungen und Bindungen aufbauen.

Ist das Internet DAS Beziehungsmedium der Zukunft?
Nick Mirsky: Soweit würde ich nicht gehen. Natürlich sind Online-Chatting oder Partnersuche im Internet heute schon etwas ganz normales. Was ich aber viel interessanter finde, ist wie schnell Menschen im Internet intim werden und sehr viel von sich preisgeben. Ich glaube es fällt vielen Menschen einfacher sich dort zu öffnen, gerade weil man dem Partner nicht direkt gegenüber sitzt. In so einer Umgebung kann man viel von sich preisgeben, ohne direkt Konsequenzen fürchten zu müssen. Irgendwie kommt es manchen Menschen wohl wie eine recht sichere Art der Kommunikation vor – aber natürlich kann es auch problematische Folgen haben.   

Wissen Sie wie es Carolyn, Elliot, Steve und Kristen heute geht?
Nick Mirsky: Ja, Steve und Kristen haben mittlerweile Nachwuchs bekommen und ich glaube sie haben ihre Tochter Kira genannt – so wie Kristens Second Life Avatar. Carolyn ist noch mit ihrem Ehemann Lee zusammen. Die beiden versuchen wohl noch einmal ihre Ehe zu retten. Und wie es am Ende des Films so schön heisst: „Alle leben jetzt wieder im realen Leben – zumindest die meiste Zeit!“.
 

Mehr Informationen erhalten Sie auf der Sendungsseite.

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